Mittelmeerkrankheiten

Buch "Von der Straße auf die Couch" erschienen im Kynos Verlag, ISBN: 3-938071-10-9.

Textausschnitte aus diesem Buch zu dem Thema Mittelmeererkrankungen:

 

Leishmaniose:
Leishmanien sind Protozoen, also einzellige Tierchen, die durch den Stich einer infizierten Sandmücke auf Tiere und Menschen übertragen werden können. Diese Sandmücken sind in Deutschland eigentlich nicht heimisch, sind hier aber auch schon gefangen worden. Eine direkte Übertragung von Leishmanien des Hundes auf den Menschen ist theoretisch möglich, aber sehr unwahrscheinlich. Dazu müsste ein direkter Blutaustausch zwischen Hund und Mensch stattfinden.
Je nach Leishmanien-Art gibt es unterschiedliche Krankheitsbilder, eta der Haut oder der inneren Organe. Die in Europa vorkommenden Leishmanien übertragen die innere Leishmaniose. Das Krankheitsbild hängt stark vom Allgemeinzustand und der Immunsituation des Tieres ab. Die Symptome können von nicht vorhanden bis dramatisch variieren.Eine unbehandelte Leishmaniose endet oft tödlich. Klinische Symptome sind verdickte Lymphknoten, besonders der Lymphknoten in der Kniekehle, unnatürlich schnelles Krallenwachstum, Haarausfall um Augen und Nase, Schleimhautblutungen, ausgefranste Ohrränder, Abmagerung, müllartiger Geruch des Hundes. Diese Symptome sind nicht sehr spezifisch. Bei einem Straßenhund wundert man sich ja nicht über den abgemagerten Körper, ungepflegte Krallen oder einen Geruch nach Müll. Sehr oft habe ich schon die Empfehlung gehört, auf Symptome zu warten und dann ggf. zu untersuchen und zu behandeln. Eine solche Vorgehensweise ist fahrlässig! Den derzeit einigen verlässlichen Test auf Leishmanien-Antikörper bieten die Universität Zürich an. Es gilt immer, den Patienten zu behandeln, nicht nur die Leishmaniose. Ein Hund mit guten Allgemeinbefinden und niedrigem Titer (der so genannte Tier gibt Auskunft über die Anzahl der Antikörper gegen eine bestimmte Erkrankung im Organismus, woraus man schließen kann, ob sich der Hund schon einmal mit dieser Erkrankung auseinandergesetzt hat.) kann gut mit Substanzen unterstützt werden, die das Immunsystem stärken. Einem akut kranken Hund dagegen muss man mit Leishmanien-Hemmern und Medikamenten helfen.
Am unbehandelten Hund ist ein direkter Erregernachweis mittels Knochenmarkaspirat oder Lymphknotenpunktat möglich. Der direkte Erregernachweis bietet die beste Behandlungsmöglichkeit. Ansonsten muss nach Antikörpern gesucht, also der indirekte Erregernachweis durchgeführt werden. Wegen der langen Inkubationszeit sollte ein auf Leishmaniose negativ getesteter Hund nach einem halben Jahr erneut getestet werden, wenn Symptome auftreten, natürlich schon früher.
Die Höhe des Antikörper-Titers hinkt der Krankheit hinterher. Umgekehrt braucht der Körper auch in den seltenen Fällen, in denen er mit speziell auf den identifizierten Erreger abgestimmten Medikamenten gelingt, die Leishmanien zu eliminieren, Jahre, bis die Antikörper abgebaut sind. Die Therapie der Leishmaniose steckt noch in den Kinderschuhen. Infizierte Hunde bekommen meist Leishmanien-Hemmer. Ihr Immunsystem muss gepflegt und überacht werden. Regelmäßige Tier-Kontrollen sowie Blutbilder, die über eventuelle Schäden durch Leishmanien, zum Beispielt Blutarmut und über mögliche Langzeit-Nebenwirkungen der Medikamente, zum Beispiel Blasensteine, Auskunft geben, begleiten den Hund. Der behandelnde Tierarzt sollte, auch wenn er nicht die Leishmaniose behandelt, über die Erkrankung des Hundes informiert werden. Ein Hund, dessen Immunsystem mit chronischen Erkrankungen belastet ist, kann bei Impfungen oder Operationen ein Risikopatient sein.

 

Babesiose:
Die Babesiose wird, wie die Ehrlichiose auch, von Zecken übertragen. Es handelt sich aber, wie die Leishmaniose, um eine Protozoenkrankheit.
Sie wird in der Humanmedizin auch die "kleine Schwester der Malaria" genannte, in der Tiermedizin nannte man die früher "Texas-cattle-fever", also immer eine fiebrige Erkrankung.
Sie kommt weltweit vor, in Europa aber besonders in Frankreich und Spanien, sowie in Ungarn. Dabei ist das Erregerspektrum breit, d. h. mehrere Arten von Babesien führen bei Übertragung zu Krankheiten. Babesia divergens z. B. infiziert Tiere und Menschen gleichermaßen, aber immer über Zecken. Babesien können auch von mehreren Zeckenarten übertragen werden. Der Nachweis von Babesien ist schwierig. In von Hand gefärbten Blutausstrichen sind die Babesien in den befallenen Erythrozyten sichtbar. Diese Arbeit kann nicht von der maschinellen Blutprobenauswertung übernommen werden. Bei geringer Erregerdichte werden Babesien auch angezüchtet, weil man sie sonst übersieht. Darüber hinaus werden auch serologische Verfahren angeboten, das heißt man such im Blutserum nach Antikörpern, führt also den indirekten Erregernachweis durch. Auch bei der Babesiose steckt die Therapie in den Kinderschuhen. Manchmal sind sogar Bluttransfusionen nötig. Aber auch ein klinisch geheilter Patient trägt die Erreger noch monate- oder jahrelang in sich. Bei Babesiose kommt es auf die rechtzeitige Behandlung an. In späteren Stadien ist die Krankheit nicht mehr in den Griff zu bekommen. Die Babesiose rangiert häufig unter den "Mittelmeerkrankheiten", ist aber auch in Ungarn unter den Hunden verbreitet. Neuerdings gibt es aber auch schon Infektionen mit Babesiose bei Hunden in den Niederlanden und in Deutschland.

 

Ehrlichiose:
Die Ehrlichiose ist eine bakterielle Erkrankung. die schwerpunktmäßig im Mittelmeerraum vorkommt, aber auch in tropischen und subtropischen Gebieten. Füchse, Hunde, Nager und Schakale können diese Bakterien in sich tragen, die Übertragung erfolgt aber durch den Biss einer Zecke, die sich zuvor beim Saugen an einem infizierten Tier selbst infiziert hat. Infizierte Zecken können eingeschleppt und sehr lange überlebensfähig und infektiös bleiben. Die Ehrlichiose ist für den Hund sehr gefährlich. Da die ersten Krankheitssymptome sehr unspezifisch sind, kann nicht von diesen auf Ehrlichiose geschlossen werden. Wenn der Körper es nicht schafft, die Ehrlichien auszuscheiden, kommt es zum chronischen Verlauf, der mit Abmagerung, Müdigkeit, Milz- und Lymphknotenschwellungen, Wasser in den Beinen, Haut- und Nasenblutungen noch die milde Verlaufsform darstellt. Beim schweren Verlauf kommen noch Abwehrprozesse gegen eigene Körperstrukturen (Autoimmunprozesse) dazu. Manche Patienten haben Muskelschwäche und -schwund und Gelenkschmerzen. Bestimmte Stämme der Ehrlichien können auch Epilepsie, Gehirnhautentzündung, Bewegungsstörungen und Erblindung verursachen. Ein aus dem Süden stammender Hund ist unbedingt auf Ehrlichiose zu untersuchen, auch wenn (noch) keine Symptomatik da ist, denn eine für Ehrlichiose typische Symptomatik bedeutet schon eine chronische Verlaufsform. Nur im Frühstadium ist diese Krankheit gut behandelbar. Ein direkter Erregernachweis ist nur in der ersten Krankheitsphasen, also in der symptomfreien Zeit möglich, bevor die Erreger mit den Blutzellen in die Organe einwandern. Man färbt dazu einen Blutausstrich ein und kann so auch den Erreger differenzieren,  das heißt feststellen, um welche Ehrlichien-Art es sich handelt. Etwa 14 Tage nach der Infektion mit Ehrlichien sind im Blut Antikörper nachweisbar. Diese Antikörper sind ein indirekter Erregernachweis und nicht zur Bestimmung der Ehrlichien-Art geeignet, die Rückschlüsse auf den zu erwartenden Krankheitsverlauf und die Heilprognose zulassen würde. Auch Menschen können sich mit Ehrlichiose anstecken. Aber auch hier erfolgt die Übertragung durch den Zwischenwirt Zecke. Eine Übertragung von Hund zu Mensch spielt keine Rolle.